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Ein unfreiwilliges Jahr mit Psoriasis palmaris

Als Spätberufener in Sachen Psoriasis weiß ich erst seit gut drei Jahren (damals 49 Jahre alt), dass es diese chronische Krankheit gibt und dass auch ich davon betroffen bin und zwar an den Händen und sporadisch auch an den Fußsohlen. Die Vorgeschichte ist relativ schnell erzählt. 

Ich war 14 und hatte plötzlich Erscheinungen an den Händen bzw. genauer gesagt an den Fingern - ovale „Flecken“ mit weißem Rand ohne sonstige Krankheitssymptome. Der damalige Hautarzt verschrieb mir Tonoftal (oder so ähnlich) zum Bepinseln und meinte in guter Gelegenheitslyrik: „Tonoftal - hilft ohne Qual“. Auf einem anschließenden Hüttenausflug war es mir, gerade in diesem Alter, sehr unangenehm, meinen sog. „Hautpilz“ abends auf dem Matratzenlager zu behandeln. 

Tonoftal half natürlich nicht. Die Erscheinungen verschwanden auch ohne Behandlung. Sie traten in den ersten Jahren aber ziemlich regelmäßig in den Sommer(!)-Monaten wieder auf - allerdings so schwach, dass ich mir keine weiteren Gedanken machte. Als Hobbypianist, Hobbytorwart und später auch als Schreibtischtäter mit regelmäßigen Dienstreisen war ich immer ein Gegner von Fettsalben, sicherlich zu leidenschaftlich! Man wollte ja immer sauber, griffig und ohne hinterlassene Spuren zu Werke gehen. 

Mit Ende 20 begannen bereits meine ersten Probleme im Bewegungsapparat. Etwa ein bis zwei Stunden nach körperlicher, insbesondere sportlicher Belastung, damals Fußball, stellte sich zunehmend eine „Ermüdungssteifigkeit“ an den unteren Extremitäten und dann auch im Rumpfbereich ein; anfangs dumpf - später auch schmerzhaft. Die Erholungszeiten wurden im Lauf der Jahre immer länger. 

Der Gedanke an Abnutzungserscheinungen war naheliegend und wurde mit Röntgenaufnahmen an den Knien auch bestätigt; aber nicht so massiv, dass sich die oben genannten Einschränkungen hinreichend erklären ließen. 

Mitte des Jahres 1999 waren die Hände erstmals stärker betroffen, damalige Diagnose: dyshidrotisches Palmarekzem. Eine stark wirkende Kortison-Creme (Klasse 3) morgens und mittags und eine Fettcreme am Abend (widerstrebend!) verschafften mir innerhalb von ein paar Wochen vorübergehende „Heilung“

Im neuen Jahrtausend ging es dann Schlag auf Schlag! 
05/2000: Beginn der gleichen Hauterscheinungen wie 1999, zunächst auch identische Diagnose. 
06/2000: Einstellung des Rauchens nicht nur,aber auch hautbedingt; Beginn der Behandlung mit Kortison-Cremes, harnstoffhaltigen Handbädern und Fettcremes - der Not gehorchend! 
07/2000: Beginn der PUVA-Behandlung, der Einnahme von Decortin H 20mg und des Tragens von Baumwollhandschuhen; Beschaffung von Literatur zur Neurodermitis.   
08/2000: Ausschleichen des Kortisons; Beginnder Behandlung mit der japanischen Salbe Protopic. 
09/2000: Einstellung der bis dahin erfolglosen PUVA-Behandlung wegen möglicher Unverträglichkeit mit dem Immunsuppressivum Protopic (Wirkstoff: Tacrolimus); neue Diagnose: Psoriasis palmaris; Beschaffung von Literatur zur Psoriasis; Beschaffung von Vinyl-Handschuhen; Beginn der ergänzenden Behandlung mit Dermoxin-Creme, ein sehr stark wirkendes Kortison der Klasse 4.  
10/2000: Nach Internetrecherche erste Kontaktaufnahme mit der Psoriasis Selbsthilfegruppe München (PSM) im Gesundheitshaus (Beratungsgespräch); Verwendung von Handwaschöl. 
11/2000: Erster Besuch des monatlichen Treffs der PSM, wertvoller Tipp eines Mitbetroffenen zum Bandagieren der offenen Stellen, an den Fingern, mit einer Klebebinde . 
12/2000: Beginn der Behandlung mit Silkis-Salbe (Wirkstoff: Calcitriol); Schwellung und schmerzhafte Entzündung des linken Knöchels; Ausschluss eines Gichtanfalls. 
01/2001: Skelettszintigraphie auf Empfehlung des Orthopäden mit Bestätigung der Entzündungsreaktion und der Schwellung im linken Sprunggelenk und mit dem Nachweis degenerativer Veränderungen an den unteren Lumbalsegmenten. 
02/2001: Termin in der Hautklinik der TU München; Beginn der Behandlung mit Daivonex-Salbe (Wirkstoff: Calcipotriol) auf eigenen Wunsch. 
03/2001: Allergietest (Epicutan) mit positivem Befund (Kontaktallergie) für Parabene (Konservierungsmittel); Beginn einer Behandlung des rechten Armes (Ellbogen) und Schultergelenks bis Ende 2001 mit Zinkleimverbänden und lokalen Kortisonspritzen, drei mal alle zwei Monate. 
05/2001: Die Erscheinungen an den Händen hatten sich mit Daivonex so stark zurückgebildet, dass nachfolgend nur noch eine fallweise Behandlung der Haut notwendig war. Vielleicht waren die Kortisonspritzen im Oberarm auch ein Auslöser der Verbesserung? 

Haut: Während der Zeit des starken Befalls der Hände (ohne Nägel) wurde das Fingerspitzengefühl zum Fingerwundgefühl. Viele Tätigkeiten waren, wenn überhaupt, nur mit engen Vinylhandschuhen oder verbundenen Fingern möglich. Das häufige Tragen von Baumwollhandschuhen zum Schutz vor Austrocknung und nach dem Einschmieren war nicht für alle so selbstverständlich wie für mich. Die stärkste Belastung bestand aber darin, dass zunächst keine der Behandlungen dauerhaft erfolgreich war und sich immer wieder neue (alte) Wunden auftaten, speziell auch nach der im Nachhinein sicherlich fragwürdigen Kortisoneinnahme. Seit dem Ausbruch der Psoriasis vermehrten sich auch sonstige Haut- und Schleimhauterscheinungen: Naseneingang, Bindehaut, Lidrand, äußeres Ohr, Gehörgang, Achsel (Rötungen), Hals.
Was bleibt: Die Hände sind so gut wie erscheinungsfrei. Auch der schmerzliche Tod meines Vaters Anfang 2003 und die damit verbundene Wiederaufnahme des Rauchens führte zu keinem neuen Schub. 

„Gelenke“: Die seit 2001 verstärkt auf­getretenen Arthralgien oder Enthesitiden oder wie auch immer die Gelenk- und/oder Weichteilschmerzen im Bereich zwischen Kreuz und Iliosakralgelenk und zwischen Oberarm und Hals zu diagnostizieren sind, stellen höchstwahrscheinlich eine der vielfältigen und leider auch schmerzhaften Erscheinungsformen der Arthritis psoriatica dar. 

Was bleibt: Die Knie sind besser geworden. Die Einnahme der Teufelskralle seit gut einem Jahr führte vor allem zu mehr Beweglichkeit. Das war ein Tipp einer Mitbetroffenen beim Treff der PSM. Die individuellen Erfahrungen im eigenen Schmerzmanagement haben zugenommen. 

Der Verfasser ist mittlerweile Minimalpsoriatiker, aber dennoch oder gerade deshalb Mitglied im Team der Psoriasis Selbsthilfegruppe München.

 

Winfried Goller
Erstveröffentlichung im Infobrief PSM Dezember 2003

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