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Meine Ehe mit Psoriasis

Kennen lernen im zarten Alter von circa 6 Jahren. 
Frühreif - wie ich nun einmal bin - habe ich meine „geliebte PSO“ im unschuldigen Kindesalter von 6 Jahren kennen gelernt. Die frühesten Erinnerungen sind geprägt vom „angenehmen“ Durchkämmen meiner Kopfhaut mit einem Spezialschuppenkamm. Der Kommentar von meiner Großmutter: „Ist ja nicht so schlimm, wenn man so viele Schuppen hat.“ 
Fazit: Keine Behandlung der Psoriasis im behaarten Kopfbereich. Dicke festhaftende Schuppenpanzer. 

Vorsichtiges Rantasten an den übrigen Körper. 
Der Herausforderung des Körpers eines pubertären Jünglings von 16 Jahren konnte meine Psoriasis nicht widerstehen. Gierig sprang sie von der behaarten Kopfhaut über auf Stirn, Wangen und Ellenbogen. Trotz meiner roten Stellen im Gesicht absolvierte ich mehrere Tanzkurse, ging auf Partys und machte meine ersten Erfahrungen mit Mädchen. In dieser Zeit lernte ich auch meine spätere Frau - Lydia - kennen. Verständnisvoll hatte sie gegen eine Ehe zu dritt nichts einzuwenden. 
Fazit: Vielen Dank an dieser Stelle an alle, die Verständnis für Psoriasisbetroffene aufbringen. Übrigens Psoriasis ist KEINE ansteckende Krankheit.

Die „gute“ Seite meiner geliebten PSO. 
Bei der Musterung zur Bundeswehr zeigte sich meine Psoriasis von der besten Seite: ja, sie blühte richtig auf. Die Bundeswehrärzte waren beeindruckt und meinten, ich solle nächstes Jahr zu einer erneuten Musterung kommen. Vielleicht dachten sie, dass meine Psoriasis einen Seitensprung wagt und ich sie daher vor die Tür werfen würde. Trotz intensiver Bemühungen mit verschiedensten Cremes und Tinkturen konnte ich meine Schuppenflechte nicht zum Seitensprung bewegen. Eifersüchtig hätte ich ihr einen Seitensprung niemals verziehen. Sie hätte niemals mehr zu mir zurückkommen dürfen. Aber nein, weit gefehlt, meine Psoriasis blieb mir treu und zeigte sich bei der erneuten Musterung wiederum von ihrer besten Seite. Sie strahlte den Betrachter so an, dass dieser schließlich meinte: TAUGLICHKEITSSTUFE 3 (ich musste nicht mehr dienen). Aus Dank habe ich meiner Schuppenflechte eine Schokolade und einen Schnaps geschenkt. 
Fazit: Arrangiere Dich mit Deiner Psoriasis, manchmal ist sie auch von Vorteil. 

Undankbarkeit ist der Welt Lohn. 
Zwischen meinem 20. und 40. Lebensjahr wollte ich mich mit meiner Psoriasis arrangieren: etwas Salbe da, etwas Creme dort - immer in der Hoffnung, der Gier meiner Geliebten Einhalt zu gebieten. Weit gefehlt, Undank ist der Welt Lohn. Ohne Warnung sprang meine Schuppenflechte auf Pobacken, Knie und Unterbeine über. 
Fazit: Lass Dich von den Schüben nicht unterkriegen, das Leben geht weiter. 

Fremdgehen mit einer Kur. 
Im Jahr 1998 ging ich das erste Mal fremd: eine stationäre Rehabilitationsmaßnahme auf der wunderschönen Insel Usedom. Mit einer Balneofototherapie, zusammen mit ganzheitlichen Maßnahmen wie kurzes Untertauchen im 15 Grad warmen Wasser der Ostsee und ausgedehnten Strandspaziergängen habe ich meine Psoriasis betrogen. Verschnupft zog sie sich für 1/4 Jahr zurück. 
Fazit: Lokale und stationäre Rehabilitationsmaßnahmen sind sehr empfehlenswert (vor allem für die Psy-che), der Krankheitsverlauf wird positiv beeinflusst. 

Ein flotter Dreier - Scheidung? 
Im Jahr 2004, von Mitte April bis Mitte Mai, ging ich das zweite Mal fremd: eine stationäre Rehabilitationsmaßnahme in der TOMESA-Fachklinik Bad Salzschlirf. 4 Wochen lang vergnügte ich mich 2x täglich mit Fräulein SOLEBAD und Fräulein UV-B-LICHT. Sichtlich machte mir dieser flotte Dreier Spaß. Die „geliebte PSO“ war nirgendwo mehr zu sehen - wollte sie eventuell die Scheidung einreichen? Aus tiefster Überzeugung heraus wäre ich mit der Scheidung einverstanden gewesen. Um möglichst lange die positiven Auswirkungen des Seitensprungs beizubehalten, salbe ich mich seit meiner Rückkehr aus der TOMESA-Fachklinik bis zu 8x täglich mit einer Magnesium haltigen Lotion ein. Bei der Kopfhaut bin ich leider nicht so konsequent, daher Rückfall bereits nach 6 Wochen. 
Fazit: Konsequente Nachbehandlung unbedingt erforderlich, Rehabilitationsmaßnahmen in kürzeren Zeitabständen empfehlenswert. 

Meine geliebte PSO kann sich doch nicht von mir trennen. 
Trotz der konsequenten Nachbehandlung kam meine Psoriasis nach einem Vierteljahr wieder zu mir zurück - der flotte Dreier mit meiner Frau, meiner Schuppenflechte und mir geht also weiter. 
Fazit: Akzeptiere deine Psoriasis, lerne mit dieser Krankheit zu leben und hole dir fachmännischen Rat in einer Psoriasis Selbsthilfegruppe wie in München die PSM. Nicht nur DU bist betroffen!!!

 

Walter Kutschker
Erstveröffentlichung im Infobrief PSM Juli 2005

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