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40 Jahre Schuppenflechte

Diese überschrift klingt fast wie der Beginn einer Laudatio. Leider ist es aber nur die Feststellung, dass ich mit dieser zwar nicht ansteckenden Krankheit leben und umgehen lernen musste. 

Es fing 1961 an als ich 22 Jahre wurde. Auf der Kopfhaut bildeten sich nach und nach einzelne Schuppeninseln. Ich beachtete sie zunächst nicht, außer dass ich häufiger die Haare wusch. Als ich aber immer wieder auf die Schuppen angesprochen wurde, suchte ich einen Hautarzt auf. Er konnte mir nicht sagen, was die Ursachen sein könnten und ob es sich um eine Krankheit handelt. Er verschrieb mir eine „Zinksalbe“, die ich treu und brav auftrug, aber die Schuppen blieben. Also stellte ich die Behandlung ein. 
Neben meinem Job begann ich ein Hochschulfernstudium. Auf diese Doppelbelastung hatte die Psoriasis nur gewartet, denn nun zeigte sie sich auch an den Ellenbogen und in den Handflächen. In den Händen wurde es so schlimm, dass die Haut tiefe Risse bekam. Mein Arzt verschrieb mir „tonnenweise“ Vaseline und Wundverbände, damit ich einigermaßen arbeiten konnte. 

1963 wurde ich für den Militärdienst gemustert und trotz der offenen Hände als diensttauglich eingestuft. Ich musste das Studium unterbrechen und bei der NVA (DDR) als Soldat antreten. An eine Behandlung der Psoriasis war nun nicht mehr zu denken. Ich versuchte deshalb durch besonders häufigen Umgang mit Waffen- und Maschinenöl die Krankheit zu verschlimmern, um vorzeitig entlassen zu werden. Das Gegenteil trat ein, die Psoriasis verschwand bis auf kleine gerötete Stellen an den Ellenbogen. Nach der Entlassung aus dem Wehrdienst setzte ich mein Studium fort und es dauerte nur ca. ein halbes Jahr und meine Schuppenflechte war auch wieder da und breitete sich massiv aus. Ellenbogen, Knie, Brustbereich und Operationsnarben am Bauch waren jetzt befallen. Ich suchte einen anderen Hautarzt auf, der wie sich herausstellte, sehr viel Erfahrung bei der Behandlung der Schuppenflechte hatte. Dieser Arzt, der mich bis 1986 behandelte, war es, der mir erklärte, dass es sich um eine nicht heilbare, aber nicht ansteckende Krankheit handelt, die Psoriasis oder Schuppenflechte heißt. 

Seine Therapie bestand aus UV-Bestrahlung, Sauerstoffbädern, die Meeressalz enthielten und dem „Schmieren“ von harnstoffhaltigen Salben, die der Arzt selbst zusammenstellte. Außerdem musste ich Antistressbehandlungen beim Physiotherapeuten besuchen und in unregelmäßigen Abständen über Nacht Teersalben auftragen. Damit konnte ich leben, denn es gab immer wieder Zeiträume ohne sonderlich auffällige Schübe. 

Nach langen Bemühungen meines Arztes fuhr ich 1978 erstmals zu einer Behandlung nach Heiligendamm an der Ostsee. Die Kur dauerte sechs Wochen und umfasste eine so genannte Freikörpertherapie, also Sonnenbad mit freiem Körper am nicht öffentlichen Strand, unterbrochen von Badegängen in der Ostsee. Als Salbe wurde Vaseline mit Harnstoff gemischt benutzt. Die Behandlung musste bei jedem Wetter und bei jeder Luft- bzw. Wassertemperatur durchgeführt werden. War keine Sonne vorhanden, wurde täglich ein halbstündiger „Rundgang“ in einem Bestrahlungsraum vorgeschrieben. Anschließend an die Kur machte ich mit meiner Familie noch einen zweiwöchigen Badeurlaub und war guter Dinge, denn seit siebzehn Jahren war ich erstmals wieder ohne Psoriasis. Vier Wochen nach dem Urlaub war die schöne Zeit vorbei, denn der nächste Schub kam und ich unterzog mich wieder meiner gewohnten Behandlung. 

In den folgenden Jahren versuchte ich den Erfolg von 1978 zu wiederholen, indem ich, mehrmals vier Wochen privaten Urlaub am Schwarzen Meer (Rumänien, Bulgarien, Sowjetunion) machte, allerdings mit nur geringer Wirkung. Eine zweite Kur 1981 in einer Klinik auf dem Fichtelberg mit Freikörpertherapie und Wannenbädern hatte auch keinen Erfolg. 

Ich fand mich immer mehr mit meinem Schicksal ab und ging, nachdem mein Arzt pensioniert wurde, nur noch zum Abholen von Rezepten zu verschiedenen Dermatologen. Meine Psoriasis blieb mir immer erhalten. 

Mit der Wende musste ich mich um eine neue Arbeitsstelle bemühen, denn das Institut, an dem ich arbeitete, wurde aufgelöst. 1991 bekam ich die Möglichkeit, in Rheinland-Pfalz in meinem Beruf weiter tätig zu sein. Obwohl ich zwischen Leipzig und Neustadt an der Weinstraße pendeln musste, war ich zwei Jahre beschwerdefrei. 

1993 zog ich dann nach Neustadt. Ich musste nicht mehr pendeln, aber die Psoriasis kam wieder. Mein neuer Hautarzt behandelte mich mit UVB-Bestrahlung und mit selbst zusammengestellten Salben, was mir sehr gut half. 1997 musste ich die Behandlung unterbrechen, weil ich täglich von Neustadt nach Rüsselsheim fahren musste. 

Inzwischen selbst Rentner suchte ich 2004 einen neuen Hautarzt, der mich sofort mit „Fumaderm“ behandelte. Drei Monate nach Beginn der Therapie wurde die Psoriasis immer weniger und ich bin seither wieder einmal beschwerdefrei. Wie lange? 

Nachdem ich dreißig Jahre allein mit meiner Psoriasis „gekämpft“ habe, fand ich 1993 Anschluss an eine Selbsthilfegruppe. In dieser Gruppe habe ich erfahren, dass es noch vielen Menschen so geht und dass nicht alle so gelassen damit umgehen können, wie mir das in den zurückliegenden Jahren gelungen ist. Ich habe mich deshalb für eine aktive Mitarbeit in dieser Gruppe entschieden, um anderen Betroffenen zu helfen. Ich möchte aber auch meiner Frau herzlich danken, die während dieser vierzig Jahre zu mir gestanden hat.
 

Siegfried Töpfer SPIG e. V.
Erstveröffentlichung im Infobrief PSM Dezember 2005

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