Vorwort:
Beim Interferenzstrom (IFS) handelt es sich um einen
mittelfrequenten Wechselstrom (Frequenz typischerweise 4000 Hz),
dessen Stärke sich periodisch in einem niederfrequenten Takt
ändert. Man kann sich diese modulierte Stromform als additive
Überlagerung zweier mittelfrequenter Ströme mit leicht
unterschiedlicher Frequenz vorstellen, die sich durch
Interferenz periodisch verstärken oder auslöschen. Die
Modulationsfrequenz legt die biologische und zelluläre Wirkung
des IFS streng fest. Sein primärer Angriffspunkt ist die
Zellmembran, worüber sich komplexe Zellfunktionen beeinflussen
lassen. Durch die Nutzung mittelfrequenter Ströme ist eine
schonende Behandlung ohne Hautreizung möglich. Die Zuführung
des IFS erfolgt über Elektroden, die in vielfältiger Weise der
jeweiligen Körperregion angepasst werden können.
Forschung
Eine Forschergruppe in Karlsruhe hat mit ihren Experimenten
erste Schritte zum grundlegenden Verständnis der
verantwortlichen Zellmechanismen unternommen und darauf
aufbauend eine spezielle Form der Elektrotherapie entwickelt,
welche die lokale und vor allen Dingen kausal wirksame Anwendung
eines Interferenzstromes bei Psoriasis-Patienten ermöglicht.
Die hohe Wirksamkeit dieser Therapie bestätigte sich in einer
klinischen Studie, die in Mannheim durchgeführt wurde. Die
Psoriasis ist damit zeitweise abgeheilt bzw. reduziert mit
remissionsfreien Phasen bis zu einem Jahr und länger. Neue
Schübe erfordern jeweils eine erneute Behandlung.
Aus dem Vortrag für die PSM am 08.02.2010 von Prof. Hermann
Dertinger, Karlsruher Institut für Technologie, Campus Nord
(vormals Forschungszentrum Karlsruhe):
Warum Strombehandlung?
Viele Prozesse im Körper werden durch natürliche elektrische
Felder und Ströme gesteuert. Der Körper kennt und „versteht“
Felder. Die moderne Grundlagenforschung konnte die spezifische
Wirkung gewisser Stromformen (Frequenzen) bereits
entschlüsseln. Es wurde nachgewiesen, dass selbst schwache
(aber nicht beliebig schwache) Ströme wirksam sind. Man spürt
sie kaum oder überhaupt nicht. Die Belastung und Schädigung
des Körpers oder der Haut durch toxische oder
nebenwirkungsbehaftete Stoffe ist ausgeschlossen!
Interferenzstrom (IFS) zur Psoriasis- Therapie
Durch Addition zweier nahezu frequenzgleicher Wechselströme
entsteht infolge periodischer Verstärkung und Auslöschung
(Interferenz!) ein pulsierender Wechselstrom („Schwebung“).
In der Physiotherapie wird Interferenzstrom bereits seit vielen
Jahren eingesetzt (z.B. zur Muskel- Stimulation). Die Menge des
zellulären Botenstoffes (cAMP) kann durch die Felder verändert
werden. Je nach Modulationsfrequenz der Felder tritt eine
Erhöhung oder Verringerung auf. In Laborversuchen an
Zellkulturen wurden als geeignete Modulationsfrequenzen 10 und
100 Hertz bei einer Grundfrequenz des Wechselstromes von 4000
Hertz gefunden.
Mit diesen Frequenzen wird die Widerstandsbarriere der Haut
überwunden. Es erfolgt eine gute Penetration ohne Reizung oder
Schmerz. Nach aller Erfahrung treten kaum Nebenwirkungen
auf!
Wirkung elektrischer Felder und Ströme
Die Behandlung von Schuppenflechte mit Interferenzstrom zielt
darauf ab, die krankhaft erhöhte Teilungsaktivität der
Basalzellen wieder zu normalisieren. Ansatzpunkt ist der schon
seit längerem bekannte Befund, dass in den psoriatischen
Hautzellen die Konzentration des Botenmoleküls cAMP erniedrigt
ist. In den Zellen kann nun mit Wechselstrom, der mit geeigneten
Frequenzen moduliert wird, die cAMP-Konzentration erhöht
werden, was bei wiederholter Strombehandlung zu einer
Normalisierung der Teilungsaktivität führen sollte.
Der Hauptangriffspunkt ist die Zellmembran. Die therapeutisch
interessanteste Wirkung ist die Aktivierung bzw. Freisetzung von
Vermittlermolekülen (Mediatoren oder Botenstoffe) durch
Wechselwirkung mit Oberflächenstrukturen (Rezeptoren,
Antigenstrukturen) an der Zellmembran. Diese Wirkungen sind
streng frequenzabhängig! Hierdurch können Ströme und Felder
in die Immunmodulation und in Prozesse der Zelldifferenzierung
(Funktionsnormalisierung) eingreifen.
Beispiele für nachgewiesene
Mediator-Aktivierungen sind:
Prostaglandine (z.B. Wundheilung), NO-Radikal (z.B.
Durchblutungsförderung), Cyclisches Adenosin Monophosphat (cAMP),
Entzündungsdämpfung, Zelldifferenzierung.
Mit diesen Aktivierungen wird die Hyperproliferation der basalen
Hautzellen heruntergefahren und ein Interleukin-10-Defizit
(Entzündung!) bekämpft.
Diese Zusammenhänge werden auch dadurch bestätigt, dass
Medikamente wie z.B. Betablocker, die den cAMP senken,
psoriatische Schübe auslösen können.
Es kann festgehalten werden, dass die cAMP-Erhöhung mittels
IFS-Behandlung die Hyperproliferation der Hautzellen
normalisiert und zugleich das Entzündungsgeschehen der
Psoriasis dämpft (kausale Therapie!).
Klinische Erprobungen der Psoriasis-Therapie mit IFS und die „Mannheimer
Studie“ zum Handbefall bestätigen die hohe Wirksamkeit (PASI-Score)
auch in therapieresistenten Fällen.
Behandlung der Psoriasis mit Interferenzstrom
Psoriatische Areale müssen vom Strom durchflossen sein
(Elektroden oder Wasserbäder). Die Strategie besteht darin, die
unterschiedliche Wirkung bei verschiedenen Frequenzen optimal zu
nutzen.
Es werden Modulationsfrequenzen von 10 und 100 Hz appliziert, da
sie das zelluläre cAMP stimulieren. Der Behandlungsplan muss
strikt eingehalten werden! Die Behandlung erfolgt regelmäßig
2x pro Tag: morgens (10 Hz) und abends (100 Hz Modulation) -
Sitzungsdauer: 5 Minuten - geringe Stromdichte (ca. 50 µA/cm˛)
- Behandlungen so oft wiederholen, bis der Befall abgeheilt oder
deutlich reduziert ist (Pause spätestens nach 3 Monaten).
Bei den Behandlungen stellt sich ein Erfolg nach etwa 2 Monaten
ein. Da morgens und abends behandelt wird, ist es am
geeignetsten, dies zu Hause durchzuführen. Wichtig: Nach einer
Behandlungsperiode soll man sich Ruhe gönnen.
In klinischen Studien wurde selbst in bisher therapieresistenten
Fällen eine Ansprechrate von 90% erzielt!
Therapiegeräte, Zubehör und Sonstiges
Nur drei auf dem Markt befindliche Geräte erfüllen streng die
Original-Spezifikationen. Möglichkeiten zum Geräte-Leasing
sind gegeben. Zum Teil sind Elektroden (Manschetten) für
verschiedene Lokalisationen verfügbar, z.B. für den
Kopfbefall. Der IFS-Therapie muss zwingend eine eindeutige
Psoriasis-Diagnose vorausgehen!
Die IFS-Therapie setzt voraus, dass andere
Anti-Psoriatika, ob systemisch oder topisch, nicht eingesetzt
werden. Bestehende Therapien sind 3 Wochen vorher zu beenden. Da
die IFS-Therapie die natürlichen Regenerationsprozesse
unterstützt, können Behandlungen, welche diese herabsetzen
oder unterbinden, den Behandlungserfolg beeinträchtigen.
Problematisch sind daher Rezeptor-Blocker, Immun- Suppressiva
oder Zytostatika.
Aus dem Referat von Prof. Dertinger
Anmerkungen der PSM aus der Diskussion
mit Prof. Dertinger
Die IFS-Therapie eignet sich für die Haut- und Nagelbehandlung
der Psoriasis. Bei Gelenken zeigte sich kaum eine Wirkung, da
der Strom kaum in Knochengewebe eindringt.
Es ist nicht möglich, den cAMP pharmakologisch zu erhöhen. Der
Vorteil der IFS-Behandlung im Vergleich zur systemischen
Therapie besteht unter anderem darin, dass nach der Behandlung
abgeschaltet wird bzw. die Stimulierung nur vorübergehend
erfolgt, währenddessen mit Medikamenten eine Dauerbehandlung
incl. möglicher unerwünschter Nebenwirkungen verbunden
ist.
Weitere Informationen sind im Infobrief Dezember 2009 der PSM
enthalten.
|