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Leben mit Psoriasis - PSR Regensburg

Wenn ich zurückdenke und mir meine Psoriasisvergangenheit überlege, muss ich mich fragen, wie hast du das alles nur überstanden. Hoffnungen und Therapien zerplatzten oft wie Seifenblasen. Und ich dachte mir oft, ob es sich lohnt, tagtäglich zu kämpfen und nicht aufzugeben. 

Dabei fing alles ganz harmlos an: An den Ellenbogen und an den Knien entdeckte ich eines Tages so sonderbare gerötete Punkte. Ich dachte mir damals noch nichts dabei. Als diese Stellen auch noch anfingen zu jucken, entschloss ich mich, zum Hausarzt zu gehen. Dieser konnte auch keine besondere Diagnose stellen. Er verschrieb mir aber ein grobkörniges Pulver mit der Maßgabe, ein bestimmtes Quantum davon in das Badewasser zu schütten und darin täglich zu baden. Wie sich später herausstellte, handelte es sich um ein Desinfektionsmittel. 

Das alles trug sich im Alter von 31 Jahren zu. Damals hatte ich andere Prioritäten als mir besondere Gedanken über diese Hauterscheinung zu machen. Das ging so lange gut, weil die Hauterscheinungen mich nicht wesentlich störten. 

In dieser Zeit stand eine berufliche Veränderung an. Schon nach kurzer Zeit bemerkte ich eine deutliche Zunahme meiner Hauterscheinungen. Ich konsultierte deshalb wieder meinen Hausarzt. Der befand sich gerade in Urlaub. Seine Vertretung stellte jetzt fest, dass es sich um Psoriasis handeln könnte. Mit dem gut-gemeinten Trost, dass es nichts Schlimmes sei, verschrieb er mir irgendwelche hautpflegende Salben. 

Nach zirka drei Jahren brach nun meine Erkrankung, genannt Schuppenflechte, erst richtig los: Die Stellen wurden innerhalb kurzer Zeit größer und größer, auch die Gelenke taten weh, ich konnte mich nur so fortbewegen, indem ich mich auf Stuhllehnen stützend durch die Wohnung schleppte. Kortisonspritzen und Cremes brachten vorübergehende Besserung. Cignolin, Tigason, PUVA usw. halfen auch nur wenig oder brachten beispielsweise nur an den Handinnenflächen und an den Fußsohlen Besserung. Ich probierte in Absprache mit den Ärzten herum. Ich schmierte alles, was üblich war und ein Arzt spritzte mir sogar Viren von Hühnerpocken, „damit das Immunsystem angeregt wird“, wie er sagte. Alles dies war ohne Erfolg! 

In meiner Not suchte ich verzweifelt nach Auswegen oder sogar Heilung. Da las ich eines Tages in der Zeitung, dass eine Selbsthilfegruppe in Regensburg eine Veranstaltung avisierte. Ich ging hin und fand an dem Angebot Gefallen. Bereits nach dem ersten Besuch erlebte ich das bestimmte „Aha-Gefühl“, das mir sagte, dass ich mit meiner Krankheit nicht alleine dastehe und dass es noch schlimmere Erkrankungen gäbe. Mir wurden verschiedene Wege zur Besserung meines Zustandes aufgezeigt und ich lernte, mit meiner Krankheit umzugehen. Hier habe ich erst erfahren, dass es für meine Erkrankung Hautkliniken gibt. Umgehend ließ ich mich von meinem Hausarzt in die Davoser Hautklinik einweisen. Hier konnte ich nach langer Zeit endlich wieder eine Besserung meiner Schuppenflechte und meiner Psoriasis-Arthritis erreichen. Plötzlich konnte ich mich wieder mit kurzärmeligen Hemden und Shorts in der Öffentlichkeit zeigen. 

Die Freude dauerte jedoch nicht lange, denn bereits im darauf folgenden Herbst fing die alte Leier wieder von vorne an. Während des Winters erreichte meine Psoriasis wieder das Niveau von früher. Es ging wieder monoton weiter mit schmieren, schmieren, schmieren, tagein, tagaus.  

Jetzt hörte ich von den tollen Heilerfolgen in Israel. Ich besorgte mir eine Einweisung der Krankenkasse und flog voller Erwartung und mit der Hoffnung auf Genesung an das Tote Meer. In En Bokek wurde die Therapie jedoch zur Strapaze. Die Sonne brannte unerträglich heiß jeden Tag auf uns herunter. Im sogenannten Solarium gab es kaum Schatten, nur einige Platzhirsche hatten sich schattige Plätzchen reserviert. Der Sand war so heiß, dass man ihn nur mit Sandalen betreten konnte. Ich beschloss daher, andere Dinge zu machen. Ich fing an, die Umgebung zu erkunden, ging in die auf der Anhöhe beginnende Judäawüste und erkundete die gesamte Umgebung des Toten Meeres. Eines Tages entdeckte ich, dass meine Gelenke plötzlich - wie ein Wunder - nicht mehr schmerzten. Endlich konnte ich wieder laufen wie früher! Ich dachte: „Jetzt hast du es geschafft“. Nach acht Wochen Hitzestress, braun gebrannt und erscheinungsfrei konnte ich meinen langersehnten Heimflug antreten. 

Aber auch in diesem Fall war meine Freude über die erlebte Besserung nur von kurzer Dauer. Nach nur drei Monaten meldete sich meine mir treubleibende Psoriasis wieder zurück. 

Ich wechselte den Hausarzt, wechselte die Hautärzte. Alles umsonst! Eine Hautärztin bestätigte mir sogar eine therapieresistente Psoriasis. Derartig entmutigt war ich kurz davor, aufzugeben und die Psoriasis einfach wuchern zu lassen. Das tat sie auch! Meine Stellen wucherten und meine Arthritis ebenso. Da bekam ich von dem damaligen Leiter der Selbsthilfegruppe den Tipp, es doch mal in der Spezialklinik Neukirchen zu versuchen. Umgehend bekam ich dort einen Platz zugewiesen. Und auch hier, nach sechswöchigem Aufenthalt, konnte ich mit einer wesentlichen Besserung nach Hause fahren. Bis auf kleine Flecken war ich fast erscheinungsfrei. Dort lernte ich unter anderem den Umgang mit Salicyl- und Dithranolsalben. Diese halfen mir dann über Jahre hinweg, meine Psoriasis in Grenzen zu halten. Zwischendurch besuchte ich diese Klinik wieder für etwa 4 Wochen. So ist es mir gelungen, meine Krankheit zu zügeln und einigermaßen erscheinungsfrei zu leben. 

Meine Arthritis, die mich jahrelang peinigte habe ich wahrscheinlich deshalb in den Hintergrund drängen können, weil ich einem guten Rat folgend, jeweils im Herbst eine 4-wöchige Kur mit Teufelskralletee und außerdem jedes Jahr im Frühjahr 10 Tage Heilfasten (nach Dr. Buchinger) mache. Außerdem hat meine Frau „Reiki“ gelernt. Immer wenn meine Gelenke anfangen zu schmerzen, beginnt Sie mit Reiki die Schmerzen zu beseitigen. 

Was letztendlich zu meinem derzeit guten Zustand im Einzelnen geführt hat, lässt sich nicht genau sagen. Vielleicht haben alle Therapien zusammen eine wesentliche Besserung gebracht, vielleicht war auch ein gewisser Anteil an Selbstheilung mit dabei, ich weiß es nicht genau. 

Ich habe jedoch daraus gelernt, dass man nie den Mut verlieren darf und dass mit Geduld, eine Vielseitigkeit der Therapien etwas bewirken kann. Mein Kampf dauert nun schon 40 Jahre. Bis heute gibt es weder einen Sieger noch Besiegten. Aber kleine Gefechte habe ich schon gewonnen und ich hoffe, dass es immer mehr kleine Siege werden!

Ich wünsche allen Psoriatikern, dass auch sie eines Tages Erfolg haben werden in dem täglichen Kampf mit der Psoriasis!
 

Manfred Westenhuber
1. Vorsitzender der Psoriasis Selbsthilfe Regensburg e.V. (PSR)
Erstveröffentlichung im Infobrief PSM Dezember 2008

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