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Stationen im Leben mit Psoriasis

Mein Name ist Gerhard Wegmann geboren im Januar 1934. Eigentlich müsste ich jetzt mein „Psoriasis-Tagebuch“ in die Hand nehmen und die wesentlichen Stationen meiner „Leidensgeschichte“ markieren und hier niederschreiben. Das Dumme ist nur, dass es dieses Tagebuch (leider) nicht gibt. Mein Gedächtnis und das meiner Frau müssen mir also als Tagebuch genügen; es ist auch vieles Wichtige darin gespeichert und das wird wohl ausreichen. 
Der Auslöser: Vier Wochen nach dem Tod meines Vaters fing es an, zuerst in den Augenbrauen, dann langsam aber sicher am ganzen behaarten Kopf. Damals war ich 26 Jahre alt und die behaarte Fläche noch erheblich größer als heute.

Die erste Station:
Ambulanz der LMU in der Maistraße, Diagnose „Psoriasis“! Ich wusste damals noch nicht, was da auf mich zukommt. Bei jedem Besuch lange Wartedauer und jeweils ein anderer Arzt. Der „letzte Arzt“ fragte ob’s sehr juckt. Ich verneinte und er sagte trostspendend: Seins froh, deswegen sind schon viele in Haar (Nervenheilanstalt) gelandet. Ich bedankte mich für diese trostreiche Zusprache und kehrte dieser Ambulanz den Rücken!

Zweite Station:
Hautarzt, der zur Schuppenlösung den Kopf mit einer bräunlichen Tinktur behandelte, die unkontrolliert überall herunterlief und ihre Wirkung bewies indem sie die Bügel meiner Brille, damals noch aus Horn, anlöste. Die eigentlichen Heilmittel - irgendwelche Pasten - zeigten nicht den gewünschten Effekt. Als dieser Arzt mich einmal nach einer Wartedauer von über drei Stunden mit „wie geht’s ...“ begrüßte, wies ich ihn darauf hin, dass solch lange Warterei für mich eine enorme psychische Belastung bedeute und sich sehr negativ auf den Zustand meiner Schuppenflechte auswirke! Sprach’s ging und kam nicht wieder.

Dritte Station:
Die Augenbrauen waren abgeheilt, die Kopfhaut wesentlich gebessert durch einschmieren am Abend mit Fettcreme und morgens mit Alpecin forte gut anfeuchten, einmassieren und abfrottieren. Ich wollte ja nicht mit einer „eingeölten Dandyfrisur“ im Büro erscheinen. 
Inzwischen hatte ich die Psoriasis an allen üblichen stellen am Körper, an Armen und Beinen. Mein Hausarzt gab mir eine Salbe zum ausprobieren an einem Ellbogen und siehe da, der heilte zunehmend ab. Später kam ich erst darauf, dass es eine Kortisonsalbe war und ich benutzte - wie ich heute weiß - immer schwerere Kaliber am ganzen Körper mit wechselndem Erfolg.

Vierte Station:
Dr. Meinicke, Hautarzt in Grünwald suchte Probanden für eine Methode einer Mayo Klinik in Mexiko: Vitamin A in steigender Dosierung bis zu - ich weiß nicht mehr - vielen Millionen Einheiten! Alle, sehr viele, möglichen Nebenwirkungen waren auf einer Art Waschzettel aufgeführt. Erwarteter, gewünschter Effekt: Abschuppen, abschuppen, abschuppen und damit quasi, wie bei einer Schlange, die Bildung einer neuen Haut. 
Ich unterschrieb, war guter Hoffnung und nicht ängstlich bezüglich der Nebenwirkungen, könnten ja auftreten, aber nicht doch bei mir! Die Schuppen fielen mir vom Körper „schaufelweise“, ich verlor fast alle Haare am Kopf, an den Augenbrauen und am Körper und litt zunehmend unter Muskelschwund. Um mich herum zu rollen - drehen ging wegen starker Rückenschmerzen nicht mehr - benötigte ich die volle Breite unseres Doppelbettes. Der Fußweg ins Büro wurde „zeitlich“ immer länger, dehnte sich von lockeren 20 Minuten letztlich bis auf 50 Minuten aus. Meine Frau Lilo sah mir beim Weggehen zunehmend traurig nach. Nach ca. 6 bis 8 Wochen Abbruch des Versuches, denn die Anzahl weißer Blutkörperchen war tief im Keller. 
Die Wiederherstellung des alten Zustandes war mit viel Geduld, Mühe und Zeit verbunden und auch die Schuppenflechte stellte sich bald in alter Schönheit wieder ein. Auch Dr. Meinicke griff dann wieder in die alte Zauberkiste und holte „Topsilon“ hervor, ein sehr starkes Kortison. Die Probepackung bekam offensichtlich fast jeder Patient, auch eins unserer Kinder.

Fünfte Station:
Hinweis einer Bekannten auf die neu eröffnete Praxis von Dr. Lukacz. Ich war einer seiner ersten Patienten und bin es immer noch. Er schlug mir die Behandlung mit Meladinine und anschließender UVA Bestrahlung mit „Black Light“ vor, heute PUVA genant. Mit Meladinine wird die Haut lichtempfindlicher gemacht. Ich musste Meladinine mit einem Pinsel möglichst exakt auf die Psoriasis Stellen auftragen. Dabei war die besonders betroffene Rückenpartie das Arbeitsfeld meiner Frau! Mit der S-Bahn - dies war also nach 1972 - erreichte ich dann in ca. 40 Minuten die Praxis, gerade recht um das „Blacklight“, von einer Minute langsam ansteigend bis zu 20 Minuten, auf meinen Körper einwirken zu lassen. Nach Aussage von Dr. Lukacz brauchte ich erheblich mehr Behandlungen als seine anderen Patienten und ich war mit ca. 40 Behandlungen damals wohl sein zähester Fall.

Sechste Station:
Ich war inzwischen der Regionalgruppe München des DPB beigetreten. Ein Hinweis auf diese Selbsthilfegruppe lag schon ca. sieben Jahre bei mir herum. Ich las dann sehr viel über Klimabehandlung (nicht Kur!) am Toten Meer (TM). Ein Antrag mit Attest vom Arzt lehnte die Siemens BKK (SBK) ab, da das TM im Ausland liegt und verwies mich an die BfA. Diese lehnte mit der gleichen Begründung ebenfalls ab und so landete ich letztlich in der Deutschen Klinik in Davos. Die ist für die Versicherungen tatsächlich Inland. Ich hatte an vier Wochen gedacht. Bei der Aufnahme wurde aber entschieden, dass es mindestens sechs Wochen sein müssten. Gut, ich verlies Davos nahezu erscheinungsfrei (Vorher/Nachher Foto!). Meine Meinung zum Aufenthalt in Davos und die Antwort der Davoser Klinik ist in PSO Magazin Nr. 3/87 Seite 19 nachzulesen. 
Im Oktober 1986 startete ich, mit Hilfe von Artikeln aus dem PSO Magazin und dem Wissen, dass die AOK München einen Aufenthalt ihrer Psoriasis Patienten am Toten Meer unterstützt, einen zweiten Versuch bei der SBK. Vier Wochen Aufenthalt am TM wurden, nach Aktenlage und ohne Vertrauensarzt, genehmigt! Mein Hinweis zur AOK zu wechseln hatte offensichtlich Erfolg. 
Insgesamt war ich fünfmal am Toten Meer, viermal in Israel und einmal in Jordanien (1996), jeweils vier bis fünf Wochen mit besten Erfahrungen, guten Erinnerungen und großem Erfolg. Zwischendurch war ich ab 1990 noch viermal auf der Kanareninsel Fuerteventura, jeweils für nur zwei Wochen. Einmal, Anfang Dezember, war der Himmel fast immer bedeckt. Zu Hause meinte meine Frau „diesmal hat’s aber gar nichts gebracht“. Zwei Wochen später aber war quasi keine Psoriasisstelle mehr da. Also wieder die 28 Tage in der sich „normale“ Haut erneuert, wobei man das „natürliche“ Abschuppen ja gar nicht bemerkt!

Letzte Station:
Klingt so nach Beerdigung ist aber so nicht gemeint. Am Toten Meer habe ich am eigenen Leib die Wohltaten von Sonnenlicht und Salzwasser erfahren dürfen. Natürlich wurde auch dort bei Beginn tief in die Trickkiste der Mediziner und Apotheker gegriffen, jedoch ganz selten Kortison und alles abnehmend im Lauf des Aufenthaltes. Um unabhängig von letztlich doch recht teuren Auslandaufenthalten, wie Zuschlag für Einzelzimmer und Nebenausgaben, zu werden, versuchte ich mein “Klein Israel“ zu Hause im Bad zu realisieren. Salz in’s Badewasser (500 - 1000g), ein Bestrahlungsgerät in`s Bad. Jedoch erst die Anschaffung eines Metec UV 1500 mit acht Röhren UV 6 der Firma Waldmann, das ich kaum gebraucht sehr günstig erwerben konnte, brachte den Erfolg. Ein Lichtspektrum mit einem Maximum bei 311 nm hat bei vielen Psoriatikern die beste Wirkung. Die digitale Schaltuhr lässt Bestrahlungsdauer in Sekundenabstand von einer Sekunde bis 15 Minuten zu. Die Anwendung fünf mal in einer Woche bis max. drei Wochen und dann eine längere Pause kann ich empfehlen.

Schlussbetrachtung
Mit meinem „Klein Israel“ im Bad und schuppenlösenden Mittel vor dem Salzbad und vom Arzt empfohlene Salbe/Creme nach der Bestrahlung z.B. Psorcutan/Daivonex für Haut und Kopfhaut hat mir sehr geholfen. Vieles was ich im Lauf meines Lebens mit Psoriasis sonst noch ausprobieren musste bzw. durfte würde viele weitere Seiten füllen. Dies würde aber wohl den Umfang des Infobriefes sprengen.

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