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Der andere Psoriatiker

Seit meinem 24. Lebensjahr habe ich (nicht leider) die Psoriasis, das sind bis heute ca. 42 Jahre. Was, wieso und warum waren dazumal meine Fragen. Das Was war leicht zu beantworten, nachdem ich mich im Pschyrembel und anderen Büchern schlau gemacht hatte, denn vom Hausarzt und vom Hautarzt bekam ich nur zur Antwort: damit musst du leben. Das Wieso war schon schwieriger. Jedoch nach vielen Nachforschungen bekam ich heraus, dass in der Verwandtschaft, interessanterweise, nur von meiner Mutter weiblicherseits Psoriasis bestand. Somit war und bin ich der einzige männliche Psoriatiker in der Familie. Um das Warum zu beantworten, kann ich nur vermuten und annehmen, dass ein gravierendes Ereignis in meinem 23. Lebensjahr der Auslöser war. Der Tod meines heißgeliebten Großvaters, der von einer zur anderen Minute in meinen Armen starb, trotz Wiederbelebungsversuchen meinerseits. Dies hat mir lange schwer zu schaffen gemacht. Hätte ich mehr machen können? Etwa ein halbes Jahr später brach der Hautauschlag, wie zuerst vermutet wurde, aus. Nach dem Besuch mehrerer Ärzte stand dann fest, es ist Psoriasis. Ich behaupte noch heute, dass viele Ärzte Psoriasis zwar nach dem Wort kennen, aber nicht vom Erscheinungsbild her. 

Als arbeitsmedizinischer Assistent hatte ich die Möglichkeit, mit Hilfe meines Chefs, eines Internisten und der firmeneigenen „Apotheke“ alle Medikamente, Salben, Tinkturen zu bestellen bzw. zu erhalten. 

Ich habe alles ausprobiert von A bis Z. Alles half zunächst, doch nichts wirkte dauerhaft. Es folgten Kuraufenthalte, heute Rehamaßnahmen, in verschiedenen Kurhäusern bzw. Kliniken. Auch hier hatte ich für 4 - 8 Wochen mäßigen Erfolg, dann war alles beim Alten. 

Da ich ein hellhäutiger (rothaarig) Typ bin, muss ich mich sehr vor der Sonne in Acht nehmen, was natürlich ein Nachteil ist. Des weiteren musste ich immer darauf achten, dass bei einer Bestrahlung die Dosis auf ein Minimum verordnet wurde. Ich frage und ärgere mich heute noch, warum die Bestrahlungsdosis vom Arzt nach 08/15 verordnet wird, zumal einer mir sagte: ich bin der Arzt und ich weiß, was ich tue. Mir platzte der Kragen, denn ich bin heute mehr denn je überzeugt, der betroffene Psoriatiker kennt sich bestens aus und ist gezwungen, dem Arzt die (nicht immer richtige) Meinung zu sagen. Jedoch viele Patienten trauen sich nicht zu widersprechen. 

Den besten Erfolg erzielte ich in der blauen Lagune in Island, zu der ich eingeladen wurde. An 21 Tagen mussten wir dreimal täglich ca. eine Stunde in die weiße „Brühe“ gehen. Ich war danach für ca. ein Jahr völlig erscheinungsfrei, und an einigen Stellen ist die Psoriasis nicht mehr aufgetreten. Leider ist der Island-Aufenthalt sehr teuer und wird auch nicht von den Kassen bezuschusst. Sonst würde ich sofort wieder hinfliegen. 

Ein anderer Psoriatiker wurde ich vor ca. fünf Jahren nach meiner Pensionierung. Da habe ich alles, aber auch alles aus meinem persönlichen Apothekenschrank rausgeworfen, das heißt, ich hatte nichts mehr, nicht einmal Kopfschmerztabletten. Ab dem Zeitpunkt nahm ich keine Tabletten, Salben oder Tinkturen mehr. 

Meine Ernährung habe ich dahingehend geändert, dass ich heute alles esse und trinke, was mir gerade schmeckt und mundet. Denn ein Mediziner hat mir gesagt: Du kannst alles essen und trinken, auf das du gerade Appetit hast. Nur darfst du kein schlechtes Gewissen dabei haben. So verhalte ich mich bis heute. Sollten heute Nüsse oder ein gutes Glas Rotwein auf dem Speiseplan stehen, so genieße ich es mit Wolllust. 

Wie hat mein seliger Großvater einst zu mir gesagt: Bub esse und trinke mit Genuss so lange es dir schmeckt, schon zweimal ist das Geld verreckt. So halte ich es und es geht mir gut dabei. Die Psoriasis hatte ich soweit im Griff ohne Medikamente und Pillen. Seit ca. 3 Jahren habe ich das Pech, dass ich Blutdruck senkende Medikamente einnehmen muss und mit der Psoriasis wieder im Clinch liege. Was ist das kleinere Übel, Bluthochdruck oder Psoriasis, ich entschied mich für Psoriasis

Ein anderer Psoriatiker bin ich auch geworden, indem ich meine Waschgewohnheiten umstellte. Früher musste ich (angeblich) „klinisch und biologisch rein und sauber“ sein, das heißt, ich habe mich täglich 1 bis 2 mal geduscht oder gebadet und mich mit Chemie rein und sauber geschrubbt. Heute dusche ich nur einmal am Tage nur mit Wasser und ohne Chemie oder höchstens mit Kernseife, um meinen Schweiß oder Staub herunter zu spülen. Einmal die Woche wird Generalwäsche gemacht mit einem pH-neutralen Duschgel, somit bleibt der gesunde Säuremantel des Körpers erhalten. Viele Leute sind der falschen Meinung, man muss sich auf Teufel komm raus waschen, ansonsten sind sie nicht sauber, welch ein Irrtum. 

Heute lebe ich mit der, Gott sei Dank, nicht mehr sehr stark ausgeprägten Psoriasis in gutem Einklang. 
Warum? Ich meine, ich lebe gesund und munter, lass mir trotz Hobbyarbeit vom Herrgott, wenn es geht, einen guten Tag geben, rege mich nicht auf, esse und trinke was kommt, feiere Feste, versprühe soweit es geht gute Laune und einen Schuss Witz und Fröhlichkeit und gebe damit anderen Menschen Liebe und Freude. Siehe da, mir geht es den Umständen entsprechend gut und ich danke jeden Abend dem Herrgott dafür. Ich wünsche allen Psoriatikern, dass Sie die Gabe, so wie ich, haben oder lernen, mit der Psoriasis zu leben.  
 

Gerhard Hirtle
Erstveröffentlichung im Infobrief PSM Dezember 2007

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