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„Gelassenheit lernen“

Heute möchte ich euch über meine Erfahrungen mit der Schuppenflechte berichten. Ich möchte euch schildern, wie ich mein Schicksal meistere. Vielleicht können diese Zeilen dem einen oder anderen helfen, nicht in Panik zu verfallen. Im Moment geht es mir gut, doch das war nicht immer so. 

Speziell der Beginn meiner Krankheit wird mir immer in Erinnerung bleiben, denn ich befand mich in einem Schockzustand, als ich die Diagnose erfuhr. Heute - nach 20-jährigen Beschwerden - nehme ich meine immer wiederkehrenden anfänglichen „Tüpfelchen“ nicht mehr zur Kenntnis. Manchmal bin ich deprimiert, doch meistens werden sie kommentarlos in die Pflege aufgenommen; und das ist für MICH gut so!! 

Ich arbeitete als Sprechstundenhilfe bei einer Hautärztin, erledigte nicht nur den Bürokram im Vorzimmer, sondern durfte auch im Arzt- und Verbandzimmer mithelfen. Offene Beine, Psoriasis, diese Krankheiten u. v. m. konnten mich nicht erschüttern - ich arbeitete gerne und es waren auch meine lieben Patienten. 

Plötzlich bemerkte ich an den Beinen rote Tüpfelchen und als diese größer wurden, zog ich meine Chefin zu Rate. Diese machte eine „Stanze“ und schickte das Präparat zur histologischen Auswertung in die Universitätsklinik. Diagnose: Psoriasis vulgaris. Geistig zogen nun alle Bilder dieser Krankheit an mir vorbei, vor allem die schwersten Fälle. Ich befand mich in einem tiefen Loch und wollte einfach raus, weg von den Hautkranken, weg von meinen Patienten. Meine Chefin beruhigte mich und erzählte aus ihrer langjährigen Erfahrung mit dieser Krankheit - es gibt auch leichte Fälle und vor allem hat jeder seine eigene Psoriasis - man soll die Krankheit annehmen, denn dadurch wird vieles leichter. 

Ich beobachtete mich und meine „Tüpfelchen“ mit klopfendem Herzen, die sich mittlerweile zu fünf DM großen Plaques entwickelt haben. Mit einer teerhaltigen Salbe (nicht mehr im Handel) hatte sich die Haut beruhigt, doch leider nur für einige Wochen. Nun kam der Sommer, ich war besessen von einer schönen Haut, meine schicken Sommerkleider zu tragen und bettelte bei meiner Chefin um Cortison. Diese gab mir die Creme mit dem Hinweis: Sparsam und nur ein paar Tage auftragen. 

Ich wollte unbedingt erscheinungsfrei in den Urlaub starten - also, ein wenig mehr und ein paar Tage länger. Die Strafe ließ nicht lange auf sich warten, denn nach Absetzen des Medikaments blühte die Psoriasis so richtig auf. Cortison ist die Entdeckung in der Medizin. Gezielt und verantwortungsvoll eingesetzt, ist sie ein Wundermittel. Doch weil ich den Hinweis meiner Hautärztin nicht befolgte, fiel ich auf die Nase und mein Traum von einer schönen Haut und schicken kurzen Kleidern war geplatzt. 

Meine innere Unruhe machte mir auch zu schaffen. Ich hatte das Gefühl, ständig unter Strom zu stehen. Meine zwei pubertierenden Kinder bereiteten mir Sorgen, ich lebte immer in der Angst, es könnte ihnen dies und jenes passieren. Durch Sorgen und Ängste wurde meine Haut immer schlimmer. Die Jahre vergingen und aus meinen zwei „Sorgenkindern“ wurden wunderbare Menschen. 

Nachträglich gesehen, hätte ich viel gelassener sein können und müssen. Die Krankheit hält sich jetzt in Grenzen. Ich bin ein leichter „Fall“, solange ich das Leben mit Ruhe und Gelassenheit lebe. 

Ich versuche, mich nicht bei jeder Kleinigkeit aufzuregen, Widrigkeiten des Lebens möglichst abzuschmettern und ich lasse Verschiedenes nicht mehr an mich heran. Ich habe gelernt, abzublocken und manchmal auch nein zu sagen - obwohl es mir nicht ganz leicht fällt. Ich habe auch gelernt, mich wichtig zu nehmen, denn wenn man sich selbst nicht wichtig nimmt, tut es die Umwelt auch nicht. Ich habe eine wunderbare Familie, die meine Hauterkrankung für selbstverständlich hinnimmt und dafür bin ich auch sehr dankbar. 

In meinem Medikamentenschränkchen befindet sich eine Vitamin-D3- Creme und -Salbe z. B. „Psorcutan - Daivonex (Calcipotriol) - Silkis (Calcitriol) - Curatoderm (Tacalcitol)“, doch diese habe ich seit einem halben Jahr nicht mehr eingesetzt, weil sich meine Haut zur Zeit nicht schuppt. Warum auch immer? Zur Pflege nehme ich Allpresan Schaumcreme oder Ziegenbuttercreme (nicht lachen) und für das Badewasser nehme ich (ähnlich wie Kleopatra) eine Tasse Milch mit 2 Teelöffel Olivenöl. Mir hilft es - ausprobieren - „wenn es nicht nützt, dann schadet es auch nicht“. Der Zeitaufwand ist relativ gering, meine Haut wird morgens und abends gepflegt, zweimal wöchentlich steige ich in die Badewanne, nehme mir ein Glas Wein mit, lege eine schöne CD auf und lass die Welt vor der Tür. 

 

Viel Glück 
Eleonore
Erstveröffentlichung im Infobrief PSM November 2010

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