Dietmar Schulz, noch als Verantwortlicher der PSM. Ich lebe seit
Dezember 2010 in Berlin, bin verheiratet, Vater zweier Töchter
und Opa von drei Enkeln. Seitdem im Enkelbetreuungsdienst aktiv.
Freizeit neben den Enkeln: Lesen; am Computer: Erstellen einer
Lokführerzeitschrift, dreimal im Jahr, sowie bisher des
Infobriefes und von Infomaterial der PSM; Reisen als
Kreuzfahrten (Fluss und Meer) und in die Türkei.
In Berlin 1945 geboren und aufgewachsen, habe ich dort die
Schule besucht. Der Berufswunsch, Lokführer zu werden, setzte
voraus, in einem Metall- oder Elektroberuf ausgebildet zu sein.
So führte mich mein Berufswunsch 1960 nach Weiden in der
Oberpfalz ins Bundesbahnausbesserungswerk. Dort erlernte ich den
Beruf des Schlossers. Von den ca. 30 Lehrlingen bekamen 25
wechselweise einen Arbeitsplatz in Nürnberg oder München.
Für mich bedeutete das, 1963 nach München ins Aw Freimann zu
gehen. Mitte der sechziger Jahre durfte man sich für die
Lokführerlaufbahn bewerben. Voraussetzung war ein Beruf im
Metall- oder Elektrohandwerk, Alter 21 Jahre oder 4 Jahre bei
der DB.
Nach einem Jahr in Freimann konnte ich mich zum Herbst 1964
bewerben und kam 1965 ins Bw München Hbf. Ein Jahr Hauszeit
wurde bei mir auf ein halbes Jahr gekürzt. Die Zeit in Freimann
ersetzte die Hauszeit in der Ellokhalle. Ich wurde auf Traktion
Diesel, Triebwagenführer V 60 und Lokführer V 100 ausgebildet
und bekam eine Schnellausbildung als Heizer für Dampfloks. Nach
der Ausbildung und bestandener Lokführerprüfung, von Juli 1967
bis März 1971, wurde ich im Vorortverkehr als Lokführer auf
Diesel und Ellok sowie als Heizer auf Dampflok eingesetzt. Dann
wechselte ich in die Disposition als Lokleiter für die
Einteilung von Lokführern und Lokomotiven. Ab 1985 bis zu
meiner Pensionierung war ich auf Direktionsebene im Lokdienst
tätig. Alle diese Dienste waren Schichtdienstarbeitsplätze
rund um die Uhr.
Trotz der intensiven Behandlung, ambulant und stationär, war
mein Gesundheitszustand im Jahre 1991 so angegriffen, dass ich
Ende 1991 pensioniert wurde.
Schon in meinem Berufsleben habe ich mich ab 1973
gewerkschaftlich und als Interessenvertreter des Personals
(Personalrat - Betriebsrat) engagiert. Dieses sich engagieren
wollen und können bestimmte bis heute mein Leben. Seit 1985
arbeite ich aktiv in der Selbsthilfegruppe für Psoriasis.
Beginn meiner Psoriasis
Vor über 40 Jahren traten bei mir erstmals an Ellbogen und
Knien weißliche, schuppende Flecken auf. Ich gehöre zu
denjenigen Psoriatikern, die nicht nur Hautveränderungen durch
ihre Krankheit bekommen, sondern auch Gelenkentzündungen mit
Gelenkdeformationen. Ungefähr bei jedem dritten Psoriatiker
sind die Gelenke durch Psoriasis-Arthritis befallen. Wie bei der
Haut, in der entzündliche Prozesse ablaufen, können auch die
Gelenke angegriffen werden.
Gelenke
Meine Probleme mit den Gelenken Im Jahre 1974 wurde mein rechtes
Knie dick. Die Behandlung bei einem Orthopäden brachte keine
Besserung. Erst die Überweisung zum Internisten, der mir das
Knie punktierte, führte zu einer Verbesserung. Der Internist
stellte dabei eine Schleimbeutelentzündung fest, die operiert
wurde. Viele Jahre wurden immer wieder Punktionen nötig, nicht
nur am rechten Knie. Auch das linke Knie wollte behandelt
werden. Erst nach einer Röntgenbehandlung 1985 an beiden Knien
kehrte mit wenigen Ausnahmen Ruhe ein.
Verschlimmerung
1986 war ein großer Einschnitt in meinem Leben. Im Mai
bekam ich einen Gelenkschub, bei dem von der Haarspitze bis zum
Fußnagel, alles was Gelenk hieß, weh tat. Ich begab mich in
die Behandlung eines Internisten / Rheumatologen. Einer dieser
Spezialisten sollte stets bei Gelenkbeteiligung die Diagnose und
den Behandlungsplan erstellen. Diverse ambulante Behandlungen
und stationäre Klinikaufenthalte begleiteten seither mein
Leben. Spezialkliniken wie: Rheumaklinik Oberammergau, Tomesa
Bad Salzschlirf, Sanaderm Bad Mergentheim und am Toten Meer in
Israel. Das ist verbunden mit Medikamenten, Krankengymnastik,
Pflege der Haut usw. und, wie für viele chronisch Erkrankte,
mit Einschränkungen in der Freizeit bzw. bei der Teilnahme am
familiären, kulturellen und sportlichen Leben.
Im folgenden erwähne ich die Wirkstoffe, die Präparate und die
Hersteller, um den Lesern die Möglichkeit zu geben,
nachfolgendes besser zu verstehen.
Durch den Satz "Medikamente nehme ich nicht; das ist Chemie
und Gift!" werde ich daran erinnert, dass ich chronisch
krank bin. Ich gehöre zu den Menschen, die wie viele erkrankte
Mitbürger mit Medikamenten leben dürfen/müssen. Ich bin mir
bewusst, dass meine Psoriasis Arthritis (Schuppenflechte mit
Gelenkbeteiligung) ohne Behandlung mit Medikamenten sowie
physikalischen Therapien in einem Stadium wäre, die meine
Beweglichkeit noch viel stärker einschränken würde, von den
Schmerzen einmal abgesehen. Heute rückblickend hatte dies einen
positiven Einfluss. Ich komme zur Zeit mit weniger Medikamenten
aus.
Ich nehme einmal die Woche 15 mg MTX (Methotrexat) in
Tablettenform als Basistherapie. Dazu kommen einmal die Woche
5mg Folsäure. Als Ergänzung, um ggf. die Dosis der Medikamente
möglichst niedrig zu halten, dienen mir Vitamin D3,
Vingantoletten 1000 I.E. täglich und alle zwei Tage 1µg
Vitamin D3 Derivat (Doss®, Firma Byk Gukden) sowie einmal
täglich 300/15 Omega3/Vitamin E. Da ich zu hohen Blutdruck
hatte, muss ich einmal täglich auch 5 mg Ramipril (ACE-Hemmer)
einnehmen. Glücklicherweise habe ich bisher keine negativen
Auswirkungen auf die Schuppenflechte festgestellt.
Zur täglichen Hautpflege verwende ich Excipial® mit Urea 4%
(Firma Spirig), Abitima (Firma Dumex) und Linola® Fett (Firma
Wolff). Das Gesicht pflege ich gelegentlich mit Lipoderm®
Gesichtscreme (Firma Spirig) oder Pityval (Firma Roche Posay).
Zum Entspannen bade ich zweimal die Woche mit Balneum (Firma
Hermal). Den Kopf wasche ich derzeit zweimal die Woche mit head&shoulders.
Nachdem ich inzwischen, zusammen gerechnet, volle zwei Jahre
in Kliniken verbracht habe, probiere ich seit 2002 eine
Heimbehandlung mit einem eigenen Ganzkörper-Bestrahlungsgerät
aus. Die sogenannte Blockbehandlung fand anfangs zweimal, ab
2005 einmal im Jahr mit 5 Wochen täglicher Bestrahlung und seit
etwa 2006 mit ca. 3 Wochen täglicher Bestrahlung statt.
Diese UVB-Schmalspektrum-Heimtherapie mit 311 nm Wellenlänge
führe ich einmal im Frühjahr durch. Ab der zweiten Woche
ergänze ich diese Therapie einmal täglich für ca. vier Wochen
mit Vitamin-D3-Creme (verschreibungspflichtig). Bei Bedarf
behandle ich die Schuppenflechtenherde nochmals im Herbst, dann
nur mit Vitamin-D3-Creme. Ganz erscheinungsfrei bin ich
nicht.
Da es sich um ein Halbseitengerät handelt, bestrahle ich
zunächst eine Körperhälfte und drehe mich nach Ablauf der
ersten Bestrahlung um 1800 Grad, um die zweite Hälfte zu
bestrahlen. Meine Versuche, die Krankenkasse an den Kosten zu
beteiligen, verliefen trotz des Attests, dass mir meine
Hautärztin für die Heimbehandlung geschrieben hat, im Nirwana.
Selbst Kostenargumente waren keine ausreichenden Gründe. Wenn
der medizinische Dienst die Äußerung macht, dass eine
eventuelle Hautkrebsgefahr besteht, dann sagen die Krankenkassen
"Nein" zur Kostenübernahme oder Bezuschussung, obwohl
das Argument ja auch für die Bestrahlung beim Arzt oder in der
Klinik gelten müsste. Meine Behandlung findet in Absprache mit
meiner Hautärztin statt. Die Haut wird von Ihr zweimal im Jahr
kontrolliert.
Manchmal glaube ich, mir geht es gut. Dann holt mich jedoch mein
Arzt wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Ein Gesunder
würde meinen Zustand alles andere als gut bezeichnen. Man lebt
halt mit dem Zustand, der einem gegeben ist.
Heute, nach vierzig Jahren, scheint sich die Krankheit etwas zu
stabilisieren. Mit meiner medikamentösen Einstellung wird der
ansonsten zunehmende Entzündungsprozess gebremst bzw. beruhigt.
So kann ich einigermaßen zufrieden leben. Anscheinend fehlen
den Psoriatikern bestimmte Stoffe.
Selbsthilfe für Psoriasisbetroffene
1992 begann der Abschnitt, der bis heute andauert. Da sich
ansonsten niemand bereit fand, übernahm ich die Leitung der
Regionalgruppe, für die ich bereits seit 1985 als
Stellvertreter tätig war.
Meine Gedanken und Ideen wollte ich örtlich zusammen mit
weiteren Aktiven umsetzen. Unser selbstständiges Engagement
wurde von den Förderern (LH München, Land Bayern und AOK) und
Betroffenen anerkannt. Die Folge war, dass am 24. Juli 1997 von
15 Betroffenen der Verein Psoriasis Selbsthilfegruppe München
(PSM) gegründet wurde.
Feiern
Ende 1992 erinnerte ich mich an die 10-Jahres-Feier der RG im
Jahr 1985. 1995 würden es 20 Jahre sein. Meine Gedanken über
das Was, Wann und Wie und die Versuche, Spender zu finden,
verliefen negativ. Aber ein Ratschlag, um diese Feier zu
finanzieren ward geboren: "Anzeigen in einer
Festschrift". Die Einnahmen aus den Anzeigen der
Festschrift und Spenden ermöglichten eine 36-seitige
Festschrift und eine Feier, an der ca. 100 Personen
teilnahmen.
2007 wurde die PSM 10 Jahre alt. Anschließend an eine
Mitgliederversammlung fand eine Feier mit Gästen statt, bei der
ca. 50 Personen anwesend waren.
Seit Bestehen der PSM sind es bis zu 100 Mitglieder geworden.
Dies ist nur eine Zahl, eine andere erfüllt mich auch mit
Stolz, nämlich meine Idee, einen Infobrief für Betroffene
zweimal im Jahr zu gestalten und zu versenden. Im Dezember 1997
waren es 590 Infobriefe. In dieser Zahl sind die neu in den
Versand aufgenommenen Ärzte (ca. 150) enthalten. Im Dezember
2010 haben wir insgesamt 1380 Infobriefe versandt. Hier ein Dank
an alle, die beim Eintüten geholfen haben.
Resümee
Seit Jahrzehnten bin ich in der Selbsthilfe aktiv tätig. Ich
versuche, dass Betroffene lernen, mit ihrer chronischen, nicht
heilbaren Krankheit umzugehen. Das erreichen wir durch
Erfahrungsaustausch sowie mündliche und schriftliche
Informationen. Den nicht betroffenen Mitbürgern bieten wir
Information für den Umgang mit einer chronischen Krankheit bzw.
einem Erkrankten. Der erste Schritt für jeden ist es, die
Krankheit zu akzeptieren und sie nicht über- oder unter zu
bewerten.
Beispiele: Monatlicher Treff mit Erfahrungsaustausch,
Kurzreferate mit Begleitmaterial, Sprechstunde mit Ärztin /
Arzt, persönliche und telefonische Beratung, Infobrief und
Informationsmaterial.
Mein umfangreiches Wissen über die Schuppenflechte basiert
darauf, immer wieder Informationen zu sammeln, sich
weiterzubilden, Angebote wahrzunehmen und über neue Ideen zu
diskutieren. Dieses Wissen weiterzugeben, ist eine Aufgabe der
Selbsthilfe genauso wie Zuhören und Beraten.
Sollten Sie Information oder Rat benötigen, ich bin weiterhin
erreichbar: telefonisch, per Post und per E-Mail. Auch die
Webseite der PSM wird von mir weiterhin betreut.
Nachtrag
Für meine engagierte Arbeit in der Selbsthilfe wurde ich von der Landeshauptstadt München durch das
Selbsthilfezentrum mit der Urkunde "München dankt -
die Auszeichnung für bürgerschaftlich
Engagierte - ausgezeichnet.
In diese Auszeichnung schließe ich Alle ein die mich unterstützt haben.
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