| Ich
wurde von der Krankheit buchstäblich im Schlaf
überrascht. Abends bin ich noch mit tadelloser
Haut ins Bett gegangen, am nächsten Morgen
wachte ich mit lauter roten Flecken an den
Unterarmen auf. Das wird eine Allergie sein
dachte ich damals, ging aber doch zum Arzt .
Diagnose
Der schüttelte den Kopf. Das ist Psoriasis
erklärte er, mit einer Allergie hat das nicht
das geringste zu tun. Zu deutsch heißt das
Schuppenflechte sagte der Arzt. Typisch dafür
sind größere rote Flecken mit einer silbrigen
Schuppenschicht darauf. Auf die Frage, woher das
komme musste er mir die Antwort schuldig bleiben.
Man weiß nur, dass eine erbliche Veranlagung
vorhanden ist, die oft durch äußere Anlässe
zum Aufflackern gebracht wird, durch eine
Krankheit zum Beispiel, durch hormoneIIe
Umstellungen im Körper aber auch durch
Überanstrengung (Stress) oder einen Trauerfall.
Nichts von all dem traf scheinbar bei mir zu, wie
übrigens auch bei vielen Patienten, die die
Krankheit wie der Blitz aus heiterem Himmel
trifft.
Wann bin ich denn das wieder los, fragte ich den
Arzt voller Ahnungslosigkeit. Die Antwort traf
mich wie ein Schlag vor den Kopf. Dies werden sie
aller Wahrscheinlichkeit nach nie wieder los. Nur
wenn sie großes Glück haben, gehören sie zu
den wenigen, bei denen das Krankheitsbild so
plötzlich, wie es gekommen ist, auch wieder
verschwindet.
Für mich, damals eine junge Frau mit zwei
kleinen Kindern, begann nun der Weg Mit der
Krankheit zu leben. Immer wieder haben sich
seither neue Schübe eingestellt, bei denen an
immer wieder anderen Körperstellen die Flecken
mit dem weißlichen Schuppenbelag und den typisch
roten Rändern auftraten. Besonders schlimm war
das an den Armen, im Gesicht oder am behaarten
Kopf. Trotz dieser chronischen Krankheit bin ich
fröhlich und aufgeschlossenen geblieben.
Therapie
Womit bin ich gegen die Krankheit zu Felde
gezogen. Was hat mir geholfen. Ich war im Laufe
der Jahre bei vielen Ärzten und habe viele
Mittel ausprobiert, aber letztlich habe ich dabei
am eigenen Leib erfahren, was mein Doktor mir von
vornherein prophezeit hatte, dass man Psoriasis
nie heilen, sondern nur mildern kann. Knappe zwei
Stunden kostet mich die Prozedur, die ich an
meiner Haut allabendlich durchführe, damit
Brennen und Juckreiz während der Nacht
erträglich sind. Das ziehe ich auch durch, wenn
es abends mal spät geworden ist und ich todmüde
bin. Zuerst nehme ich ein Salz- oder Ölbad.
Danach wird die Haut abgetupft und bestrahlt. Den
Apparat dazu habe ich mir angeschafft, als
bekannt wurde, dass ultraviolette Strahlen einer
bestimmten Wellenlänge bei Psoriasis günstig
sind.
Anschließend wird eine Salbe aufgetragen, oft
nur Vaseline; wenn's gerade mal wieder schlimmer
ist, mit Zusätzen wie Teer, Schwefel, Salizylsäure oder auch Cortison. Darüber kommt
eine Folie, damit nicht alles am Nachtzeug kleben
bleibt. Der nächste Tag beginnt gleich wieder
mit dem Eincremen am Morgen.
Tipps
Ich versuchte einiges: Ich schmierte mir einen
Roggenmehlbrei auf die Haut und wachte am
nächsten Morgen in einer Menge Brotkrümel auf.
Eine Mischung von ausgelassenem Schweinedarmfett
mit Schöllkrautsaft brachte auch keinen Erfolg.
Begeistert hat mich eine Kur am Toten Meer, Sonne
gibt es da, jede Menge Sonne. Sonne ist für mich
und meine Leidensgenossen so wichtig wie Luft zum
Atmen. Wer im Sommer viel draußen sein kann hat
eine echte Chance von seiner Schuppenflechte
wenigstens bis zum Winter verschont zu bleiben.
Aber nicht nur der häufig bedeckte Himmel in
unseren Breiten macht es den Psoriatikern schwer,
den nötigen Sonnenschein zu erhaschen. Baden und
Sonnenkuren am Toten Meer, auf Teneriffa, in Bad
Rappenau, in Bad Bentheim und Oberammergau haben
mir geholfen. Vier bis sechs Wochen lang war
alles weg, aber nach ca. drei Monaten war alles
wieder da und die Gelenke schmerzten auch.
Leben mit PSO
Mit meiner chronischen Krankheit - Haut und
Gelenke - lebe ich jetzt inzwischen 40 Jahre. Oft
werden wir in den Freibädern angestarrt oder misstrauisch gefragt, ob das ansteckend sei.
Viele Menschen machen einen Bogen um uns, als
seien wir Aussätzige. Darum sei es hier noch
einmal mit aller Deutlichkeit gesagt: Dieses
Hautleiden ist nicht ansteckend. Ich habe das
Glück gehabt von meiner Familie auch mit meinen
Schönheitsfehlern geliebt und gestützt zu
werden. Das ist durchaus nicht immer der Fall.
Ich kenne viele Betroffene, deren Partner sich
wegen der Schuppenflechte haben scheiden lassen.
Verständlich, dass diese Betroffenen
Minderwertigkeitsgefühle entwickeln, sich
isolieren und verstecken.
Selbsthilfe
Bei den Treffen der Selbsthilfegruppen werden
Erfahrungen ausgetauscht und man macht sich
gegenseitig Mut. Die Gemeinschaft hat mir sehr
geholfen und ich bin deshalb Mitglied in der
Psoriasis Selbsthilfegruppe München e.V.
|