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Neue Medikamente

Immunologie:
Dies ist die Lehre von der Struktur und der Funktion des Immunsystems, d.h. des körpereigenen Abwehrsystems. Es dient der Erkennung und der Abwehr körperfremder Substanzen (Antigene) und eliminiert auch veränderte Körperzellen. Man unterscheidet zum einen angeborene Abwehrmechanismen, die unspezifisch gegen körperfremde und auch körpereigene Substanzen gerichtet sind und zum anderen erworbene Abwehrmechanismen, die spezifisch, d. h. gezielt Antigene abwehren.

Bei Autoimmunkrankheiten erkennt das Immunsystem körpereigene Strukturen nicht mehr als körpereigen an und richtet Abwehrreaktionen gegen das eigene Gewebe.
Die Forschung vermutet bei der Psoriasis eine solche Autoimmunkrankheit. Die Ursache der bei Psoriasis gesteigerten Zellvermehrung und Aktivierung von Stoffen, die eine Entzündung hervorrufen sind bisher nicht vollständig geklärt.

Zytokine sind im Körper vorkommende natürliche Botenstoffe. Durch diese Botenstoffe verständigen sich die Zellen des Immunsystems und koordinieren mit ihrer Hilfe ihren gemeinsamen Kampf gegen Angriffe des Organismus von außen. Botenstoffe sind wie Zündschlüssel zu einem passenden Zündschloss -dem Rezeptor- an der Zelloberfläche. Sie docken dort an und lösen dadurch bestimmte biologische Reaktionen im Inneren der Zelle aus. Es gibt Zytokine, die Entzündungen fördern (pro-inflammatorische Zytokine) und Zytokine die Entzündungen hemmen (anti-inflammatorische Zytokine).

Untergruppen von Zytokinen
Der Tumor-Neurose-Faktor-Alpha (TNT-Alpha) ist eine Substanz aus der Gruppe der sogenannten Zytokine, einer zentralen Mittlersubstanz der Entzündungs- und Immunreaktion im Körper. TNT-Alpha wirkt auf eine Vielzahl von Zellen, die dabei beteiligt sind. Dazu gehören beispielsweise Granulozyten, also weiße Blutzellen und Makrophagen, das sind Blutzellen, die Antigene präsentieren, damit diese unschädlich gemacht werden können. TNT-Alpha wirkt außerdem auf den Hypothalamus, eine Hirnregion, die verschiedene vegetative Funktionen im Körper reguliert, sowie auch auf Fett- und Muskelzellen. Er hat eine Schlüsselrolle bei der Entstehung von Autoimmunerkrankungen, bei denen sich das Immunsystem fälschlicherweise gegen Zellen des eigenen Körpers richtet.
Klinische Studien haben gezeigt, dass Medikamente, die TNT-Alpha blockieren, bei Autoimmunerkrankungen wirksam sein können. Der Wirkmechanismus beruht auf einer Bindung an TNT-Alpha, wodurch dessen biologische Funktion blockiert wird.
Folge: Gelenkschwellungen und -schmerzen gehen zurück - Entzündungswerte im Blut (BSG, CrP) werden reduziert, Gelenkfunktionen verbessern sich und hemmen das Fortschreiten von Knorpel - und Knochenschäden am Gelenk.

Interleukin-1
(IL-1) ist wie TNT-Alpha eine körpereigene Substanz aus der Gruppe der Zytokine, speziell der Interleukine und hat eine wichtige Rolle bei der Entstehung von rheumatischen Entz¨ndungen und bei der rheumatischen Gelenkschädigung. IL-1 hat darüber hinaus eine direkte Wirkung auf Knorpelzellen, die dazu führt, dass die Knorpelzelle unter dem Einfluss von IL-1 bestimmte eiweißspaltende Enzyme (Proteasen) freisetzt. Diese Proteasen sind in der Lage, die Grundbestandteile des Knorpels und der Bindegewebsfasern (Kollagen), durch chemische Prozesse aufzulösen. Unter dem Einfluss von IL-1 beginnt die Knorpelzelle damit, ihr eigenes Gewebe (Matrix) zu zerstören.
COX-2 (Cyclooxygenase-2) ist ein im Körper gebildetes Enzym, dass für Entzündungsprozesse und für Schmerzentstehung von Bedeutung ist.

Medikamente:
Bei biologischen Therapien werden Medikamente aus einer ganz neuen Medikamentenklasse eingesetzt. Biologika sind Eiweiße, die den körpereigenen Eiweißen ähneln. Sie greifen gezielt in den krankheitsverursachenden Prozess (TNT-Alpha) ein.

Möglich wurden die biologischen Therapien durch die rasanten Fortschritte der Molekularbiologie und insbesondere der Gentechnologie. Bei allen biologischen Therapien handelt es sich damit um Medikamente, die mit extrem hohem technischen Aufwand und unter Einsatz aufwendigster gentechnologischer Entwicklungs- und Fertigungsmethoden hergestellt werden.

Bei der Schuppenflechte sollen sie den Prozess unterbrechen, bei dem die gesunden Zellen in kranke Zellen umgewandelt werden. Sie bieten daher eine Chance für eine wirkungsvolle Behandlung mit langanhaltenden Therapieerfolgen und geringen Nebenwirkungen.
Die Biologika zur Behandlung der Schuppenflechte müssen gespritzt werden. Das Behandlungsintervall kann von 2x wöchentlich bis zu 1x alle 8 Wochen reichen. Die Behandlung mit diesen Medikamenten ist sehr teuer von 13.000 € bis 25.000 € im Jahr, z.B. Enbrel bei 2 x pro Woche spritzen, etwa 2.000 Euro pro Monat.

Diese Behandlung ist daher den schweren Fällen vorbehalten, bei denen die herkömmlichen Medikamente nicht wirken, nicht vertragen werden oder kontrainiziert sind.

Die Namen der Wirkstoffe enden bei Fusionsproteinen auf cept, bei monokolaren Antikörpern auf mab, bei Cox-2 Hemmer auf xib.

Der Wirkmechanismus von Biologika: Fusionsproteine greifen in die Regulation der körpereigenen Substanz TNT-Alpha ein. Bei monoklonaren Antikörpern bilden sich Antikörper gegen TNT-Alpha. Beide blockieren somit die Wirkung von TNT-Alpha.

COX-2 Hemmer hemmen das im Körper gebildete Enzym Cyclooxygenese.

Interleukin-1
Blocker sind Interleukin-1-Rezeptor-Antagonisten, blockieren also die Wirkung von IL-1. Leflunomid bremst das Wachstum aktivierter Lymphozyten und stoppen als Immunmodulator Zytokine. Mycophenolat mofetil ist ein lmmunsuppressiva aus der Medizin (z.B. Transplantation) und hat Wirkung auf das psoriatische Geschehen.
 

Dietmar Schulz
Erstveröffentlichung im Infobrief PSM Dezember 2004

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